Atelier Abt-Harrer

Grafik und Internet für Imkereien in den baden-württembergischen Regionen Neckar / Alb / Schwarzwald

Über uns

Es ist schon seltsam, unter welchen Umständen man zueinander findet. Ob von Mensch zu Mensch oder von Mensch zu Tier. Oft ist sie nicht gleich und leicht begreifbar in ihrer Konsequenz, diese Magie, die sich hinter zufälligen Begegnungen verbirgt.

Über uns

Meine Frau musste sich als Kind oft alleine beschäftigen. Sie malte, bastelte, lernte nähen, stricken und wenn das Kinderzimmer zu eng wurde, erkundete sie das mit einer wunderschönen, imposanten Buchenhecke eingerahmte Grundstück. Die Blumen im Garten sprachen mit ihren kräftigen Farben zu ihr – was möglicherweise ihre künstlerische Kreativität und ihren heutigen Beruf inspirierte - und viele vierbeinige oder beflügelte Tiere wurden ihre Spielgefährten. Mit einem Insekt verstand sie sich besonders gut, nämlich der Biene. Immer wenn sie eine Biene auf einer Blüte sitzen sah, hielt sie inne, um das Tier beim »Honigmachen« nicht zu stören. Diese Bewunderung für die Biene hat sie sich bis zum heutigen Tag erhalten.

Meine erste bewusste Bekanntschaft mit Honigbienen verlief weniger harmonisch als bei meiner Frau.
An einem sonnigen Sommertag badete ich, zusammen mit Nachbarskindern, in einem Bach, der direkt durch unser Grundstück lief. Wir tollten auf der Wiese herum und ich trat auf eine Biene, die sich auf einer Kleeblüte zu schaffen machte. Schreiend humpelte ich zu meiner Mutter, die den Stachel entfernte und mich tröstete. Nach ein paar Trosteinheiten wollte ich wieder mit den anderen Kindern spielen und rannte, natürlich barfuß, den Grasweg in Richtung Bach zurück. Kaum angekommen, trat ich erneut in eine Biene. Auch diesmal befand sie sich auf einer weißen Kleeblüte beim Pollensammeln.
Beim Entfernen des Stachels erfuhr ich diesmal von meiner Mutter, dass die Biene mit dem Verlust ihres Stachels ihr Leben verloren hatte. Ich war sehr betroffen und traurig. Ein so fleißiges und nützliches Insekt musste sterben, bloß weil es sich zur Wehr setzte. Warum passierte das nicht den Wespen oder Schnaken? Die stechen nur und nützen niemandem. So dachte ich damals.
Fortan hegte ich eine große Sympathie für die Immen.

Mit diesen positiven Grundeinstellungen zur Natur versehen lernten meine Frau und ich uns kennen und lieben. Lange Zeit passierte nichts bienenrelevantes in unserem Leben. Das sollte sich jedoch mit einem Schlag ändern.

Ins Schwärmen gekommen... - und bei uns gelandet

Der Umzug aus dem Stuttgarter Umland in die Region Neckar-Alb ließ uns plötzlich in den Dunstkreis von »Apis mellifera« geraten.
Zum einen besteht das Wappen unseres Wohnortes aus einem Bienenkorb mit ihn umkreisenden Bienen (es gab früher wohl eine größere Zahl an Imkern im Ort).
Zum anderen, weil wir mehrmals Besuch von Bienenschwärmen bekamen, die sich in unserem Garten nieder ließen, um nach passenden Brutplätzen Ausschau zu halten. Fasziniert beobachteten wir den herbeigerufenen Imker, wie er jedes Mal mit einer unerschütterlichen Ruhe und Souveränität den Schwarm einfing.
Zwischenzeitlich betreute meine Frau ehrenamtlich die Homepage des Rottenburger Imkervereins. Und so war es nur logisch, dass wir bei den Planungen zum 750-jährigen Dorfjubiläum als Leitbild und Aufhänger die Biene ins Spiel brachten, was mit unserem Jubiläums-Slogan »Tradition beeflügelt« deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.
Der Imkerverein Rottenburg war mit von der Partie und präsentierte sich einer großen Öffentlichkeit mit vielen Vorführungen.

Die Wildbienenhäuser vom Förderverein

Nebenbei breiteten sich nach Vorbild der Blumenstadt Mössingen die Wildblumenwiesen im Ort aus.
Wir machten unsere Nachbarn mit den Wildbienen bekannt und stellten mit dem örtlichen Förderverein beim Sportgelände zwei große Wildbienenhäuser auf. Einen ganzen Winter verbrachte ich mit dem Zuschnitt Hunderter von Bambus- und Holunderabschnitten, in welche die Wildbienen ihre Nester legen sollten.
Eine große Hilfe war uns der Rottenburger Meinrad Lohmiller vom »Projekt Wildbienenschutz«. Er stand uns immer beratend zur Seite und begleitet auch heute noch die weitere Besiedlung und Entwicklung der beiden Wildbienenstände. Höhepunkt dieser gemeinsamen Arbeit war der Preis 2008 des Zwiefalter Naturfonds.

Figurenbeute von Birgit Jönsson

Monate vor den beiden Jubiläumsfeiertagen beauftragte unsere Gemeinde auf unsere Anregung die Beuteschnitzerin Birgit Jönsson mit der öffentlichen Erstellung einer Figurenbeute.
Aus einem drei Meter hohen und ca. 1,50 Meter breiten Eichenstamm sägte und schnitzte Birgit vor dem Rathaus innerhalb von vier Monaten die Figur des »Loiners«, dem Spitznamen der Einheimischen. Dabei übertrugen wir mit einer WebCam alle ihre Arbeitsschritte in die ganze Welt. Mehrere Bienengenerationen haben seither ihr Leben in dieser Behausung verbracht.

Horchmuschel von Birgit Jönsson

Nach dem Jubiläum bekam Birgit noch den Auftrag, eine Wildbienenskulptur zu erstellen. Mit Motorsäge und Stechbeutel bearbeitete sie einen zwei Meter hohen Eichenstamm und erschuf die »Horchmuschel«.
Sie höhlte den Stamm aus und sägte einen so breiten Spalt heraus, dass man bequem ins Innere des Stamms eintreten konnte. In die Außenfläche des Stammes bohrte sie noch hunderte von Löchern als Nisthilfe für die Wildbienen.
Wenn man eine Weile ganz ruhig in der Horchmuschel stehen bleibt, sind Wildbienen bei der Arbeit zu hören. Diese legen ihre Eier nacheinander in die Bohrlöcher (Liniennest) auf dem zuvor eingebrachten Pollenbrot (Pollen und Nektar) ab. Jedes Ei wird dabei vom nachfolgenden mit einer Trennwand aus Lehm und Speichel separiert. In dieser Kammer entwickeln sich dann die Wildbienen.

Der Bienenbaum blüht erstmals

Als meine Frau von Bienenbäumen hörte, die sehr gerne angeflogen werden, besorgte sie sich Samen und zog erfolgreich an die 50 Bäumchen heran. Einen Großteil verschenkten wir anlässlich des Jubiläums an Imker und interessierte Besucher. Unser größtes Exemplar blühte erstmals fünfjährig im letzten Herbst.
Mit dem Pflanzen von Bienenbäumen und dem Aussäen von Wildblumensamen bemühen wir uns ständig um die Gunst der Bienen. Es war ein langer Weg bis zur Entscheidung, die verantwortungsvolle Tätigkeit eines Imkers ausüben zu wollen.
Seit Frühjahr 2014 nehmen wir am »Jungimkerkurs« des Bezirksvereins der Imker Rottenburg e.V. teil. Damit wird sich zeigen, ob aus einer »Fernbeziehung« eine Liebe fürs Leben entstehen wird.

Roland Harrer im Januar 2014

Der Bienenbaum blüht erstmals

So ging es weiter...

Nach drei Theorieabenden und mehreren praktischen Unterrichtseinheiten auf dem Lehrbienenstand des Imkervereins Rottenburg kamen wir den Bienen immer näher. Das Vertrauen in ihr freundliches Wesen wuchs und wir freuten uns schon mächtig auf unsere beiden Ableger. Der Termin für die Übergabe der Jungvölker war auf Juli terminiert. Ein Wirtschaftsvolk hatten wir schon bei Freunden stehen, die uns als erfahrene Paten mit in die Imkerei einführten.
Dann kam der 20. Mai. Wir spazierten abends auf den Feldern und genossen den lauen Maienabend. Gut gelaunt stiegen wir zur Rückfahrt ins Auto.
Eben wollte ich die Fahrertür zuschlagen, als ich einen Stich im linken Ellenbogengelenk spürte. Dann sah ich die Biene, wie sie, tödlich verletzt, an der Scheibe hochflog, um nach draußen zu gelangen. Ich öffnete schnell die Tür - weg war sie. Ab zu ihrem letzten Flug. Dann schaute ich nach meinem Arm und sah den Stachel.
Meine Frau streifte ihn mit dem Fingernagel heraus und wir fuhren nichts ahnend Richtung Heimat.
Schon nach wenigen Minuten juckte es an mehreren Stellen. Bis wir zu Hause angelangten, hatte ich nur noch das Bedürfniss, meine Kleider abzulegen und meinen inzwischen krebsroten Körper in Eiswasser zu baden. Dann sah ich die Quaddeln, die bereits mehr als die Hälfte meiner Hautoberfläche einnahmen. Nun wurde mir mit einem Schlag klar, dass ich mich in die Reihen der Allergiker einreihen durfte.
Wir hatten keine Zeit mehr zu verlieren. Das Jucken wurde unerträglich, mein Kopf begann zu brummen und der Blutdruck schnellte nach oben. Das Deutsche Rote Kreuz und der Notarzt kamen schnell und ich durfte eine Nacht in der Notaufnahme der Tübinger Uniklinik verbringen (Danke!!! an die Retter in die Not, die innerhalb weniger Minuten erschienen).
Es hat nicht sein sollen. Die Bienen haben mir einen Korb gegeben. Doch keine Liebe fürs Leben?

Der Bienenbaum blüht erstmals

Traurig müssen wir nun Abschied nehmen von der aktiven Imkerei. Das Risiko ist zu groß, nochmals gestochen zu werden und eine noch heftigere allergische Reaktion in Kauf zu nehmen. Ich denke über eine Hyposensibilisierung nach. Die geht über 5 Jahre und ich darf dann jeden Monat eine Spritze abholen. Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheiden werde. Ein Traum geht zu Ende. Ein neuer Traum entsteht.
Die Hoffnungs stirbt zuletzt; vielleicht auf einen Neuanfang nach einer Desensibilisierung? Wir werden sehen.
Bis bald.

Roland Harrer im Mai 2014

Für alle, die auch von einer Bienengiftallergie betroffen sind, ist diese Untersuchung interessant: Bienengiftallergie – Untersuchung der Verhaltensweisen bienengiftallergischer Imker und der Effektivität der spezifischen Immuntherapie in einem internationalen Kollektiv (von Denise Wrobel, Schwäbisch Hall/ Gießen 2013).

Eine weitere Doktorarbeit liegt von Tobias May, Dachau vor: Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Ultra-Rush-Hyposensibilisierung bei Bienengiftallergie.

Die Schnellhyposensibilisierung bei Insektengiftallergie unter stationären Bedingungen wird übrigens unter anderem am Heilbronner Klinikum Klinik am Gesundbrunnen (Klinikdirektor Prof. Dr. med. Harald Löffler / Hobbyimker) durchgeführt.

Atelier Brigitte Abt-Harrer Rottenburg am Neckar brigitte@abt-harrer.de Telefon 07478 261323